Gegenseitiger Respekt darf nicht verloren gehen

Wahlkampf ist Zuspitzung. Wahlkampf ist Konfrontation. Wahlkampf ist direkt. Dabei darf es aber nie unter die Gürtellinie gehen. Was gar nicht fehlen darf, ist Menschlichkeit. Wir alle wollen überzeugen, für unsere Ideen streiten, weil wir sicher sind, dass die selbst gesteckten Ziele die richtigen sind und diese unsere Gesellschaft voranbringen. Aber Wahlkampf hat auch Grenzen.

Für mich war eine dieser Grenzen erreicht, als ich über die Lokalpresse davon hörte, dass Grünen-Kandidatin Christiane Wayand schwer erkrankt ist. Die Nähe-Zeitung verfasste dazu eine Meldung und stellte diese auf Facebook ein. Mir tat es furchtbar leid, dass ich das lesen musste. Da stürzt du dich mit deiner Kandidatur in ein ziemlich großes Abenteuer, willst dich für deine Ideen aufopfern und bist ausgerechnet dann außer Gefecht gesetzt, wenn du am meisten gefordert bist. Fernab der Politik wünscht man ohne Beachtung der Komponente „Wahlkampf“ einem Menschen einfach nur, dass er schnellstmöglich wieder gesund werde. Scheinbar gibt es aber politische Kräfte, die das anders sehen.

Ich wünschte der Kandidatin via FDP-Account auf Facebook gute Besserung, weil auch die politische Mitbewerberin bzw. der politische Mitbewerber ohne Zweifel jemand ist, die oder der Respekt und Mitgefühl verdient hat, wenn es ihr oder ihm nicht gut geht. Und es dauerte nicht lange, dass das rechtspopulistische Spektrum aus der Region in unvergleichlichem Zynismus gegen die Grünen und meine Genesungswünsche  mit eigens verfassten Kommentaren zu poltern begann – von Korruptionsvorwürfen bis zur fehlenden Unabhängigkeit der Presse war in der Kommentarspalte unter der benannten Meldung plötzlich viel dabei. Es ging nicht mehr um die Kandidatin, sondern nur noch darum, die Situation für sich und seine kruden Thesen zu nutzen. Tenor gegenüber mir: Und der Keidel will sich ohnehin nur mit seinen Wünschen bei der Koalitionspartnerin anbiedern, weil er ja so links-grün-versifft ist.

Scheinbar schreckt eine kleine Gruppe von politisch Aktiven nicht davor zurück, selbst solche Situationen , in denen nichts außer Respekt, Mitmenschlichkeit und gute Wünsche angebracht sind, noch für sich zu nutzen. Ich habe auch lange gehadert, ob ich diesen Text schreiben soll, weil er zum einen die Thematik erneut aufwärmt, zum anderen aber auch mir unterstellt werden könne, dass ich der Rolle des Moralapostels verfalle. Nun soll man mir das bitte vorwerfen. Ich komme damit klar.

Mir ist aber wichtig zu benennen, dass bei allem politischen Dissens noch immer der Anstand gegenüber seinen Mitmenschen gewahrt bleiben muss – gerade im Politbetrieb. Und deshalb war es mir ein Anliegen auch meine Kolumne dafür zu nutzen, um Christiane Wayand viel Kraft zu wünschen. Ich bin froh, wenn sie wieder gesund wird.

Es gibt einige Punkte, die mich politisch mit den Grünen verbinden, gewiss aber auch große Differenzen, die wir nie ausräumen werden. Die gibt es sogar in der eigenen Partei. Dass das aber alles in den Hintergrund tritt, wenn jemand erkrankt ist, muss eine Selbstverständlichkeit sein und bleiben. Deshalb: Werde schnell wieder fit, Christiane!

 

Matthias Keidel ist 24 Jahre alt und kommt aus Kirschweiler. Der stellvertretende Kreisvorsitzende der Freien Demokraten studiert an der Universität Trier und arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der FDP-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz. Der Werder Bremen-Fan will jungen Menschen Lust auf Politik im ländlichen Raum machen und sieht sich selbst dem sozialliberalen Flügel der Freidemokraten verbunden. Auf Stadt-Land-News schreibt er die regelmäßige Kolumne "Zu jung für Politik".

 

Artikel bewerten
(5 Stimmen)

Werben

Sie interessieren sich für Nachrichten aus Ihrer Nachbarschaft? Ihren Kunden geht es genauso. Sie möchten wissen, wie Sie auf Stadt-Land-News Ihre Werbung platzieren?

 

Mitmachen

Das Engagement für Vereine und Gemeinden ist enorm. Wir möchten Ihrer Leidenschaft und Ihren Informationen eine Plattform bieten, auf der diese Geschichten gesammelt einem breiten Publikum vorgestellt werden können. 

 

Zum Seitenanfang