#2 – Talkshows zurück in die Senderverantwortung

Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen geht. Aber für mich sind die politischen Talkshows auf ARD und ZDF inzwischen nur noch schwer zu ertragen.

Selten wird es dort so lustig, wie vor zwei Tagen, als die AfD-Spitzenkandidatin Weidel dort ihren offensichtlich als geplante Provokation gedachten Abgang so vermasselte, dass sich das Internet vor Kreativität fast überschlug. Ansonsten sieht man die immer gleichen Nasen zu den immer gleichen Themen mit den immer gleichen Floskeln. Ganz ehrlich: Das braucht doch kein Mensch!

Was kaum jemand weiß: Das Problem hat mit der Organisation hinter den Kulissen zu tun. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF produzieren politische Talkshows in der Regel nämlich nicht selbst, sondern lagern die Produktion aus. Während die Sender selbst einen Bildungsauftrag haben - und an diesem gemessen werden sollten - werden die Produktionsfirmen allerdings nicht an der Qualität der Sendungen, sondern an deren Einschaltquoten gemessen. Das wiederum hat den Effekt, dass produziert wird, was funktioniert, und nicht, was diskutierenswert wäre. Ausländer- und Flüchtlingspolitik geht dann immer, am besten mit einem Vertreter der AfD, denn dann schalten viele Menschen ein, alleine schon, um sich aufzuregen. Themen wie Digitalisierung oder Europa scheitern alleine schon an ihrer Komplexität. 

Dazu kommt: kalkulierbar muss es sein. Deswegen hat man auch das Gefühl, sich in einer Endlosschleife zu befinden, in der immer Bosbach, Stoiber und Oppermann die immer gleichen Themen miteinander diskutieren. Man kann den Produktionsfirmen nicht übel nehmen, dass sie die Shows so bestücken und produzieren, dass es für sie aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht. Aber man darf schon die Frage stellen, ob das der richtige Weg für ARD und ZDF ist, zu besten Sendezeiten ihrem Bildungsauftrag nachzukommen. Ich meine nein.

Mein Vorschlag daher: Sämtliche politische Formate werden in Zukunft nur noch hausintern produziert und werden aus der klassischen Quotenbetrachtung herausgenommen. Die Redaktion wird angehalten, auf einen Themenmix ebenso wie auf einen Personenmix zu achten, der auch Nischen beleuchtet und Diskussionen jenseits der Qualität von Bild-Schlagzeilen zulässt. 

Politik ist komplex. Talkshows, wie wir sie derzeit kennen, sind wegen falscher Incentivierung, wegen falscher Kennzahlen, in ihrer Konzeption schon unterkomplex angelegt. Das schadet dem politischen Diskurs mehr, als es den politischen Bildungsauftrag befriedigt. Und es ist ein Teil des Nährbodens für Populismus. Ich bin überzeugt, es geht auch anders.

 

Christoph Giesa, der in Idar-Oberstein sein Abitur absolvierte, ist für verschiedene Zeitungen und Verlage als Kolumnist und Publizist tätig. In seiner Reihe zur Bundestagswahl '#11Dinge, die anders besser wären', wirft er einen Blick auf Themen fernab, der altbekannten Debatten, die seiner Meinung nach wenig Visionäres enthalten. 

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