#3 - Jährliche Erste-Hilfe-Kurse

Rettungswagen sind in Deutschland in der Regel schnell vor Ort. Doch was kaum jemandem bewusst ist: Bei den jährlich rund 280.000 Herzinfarkten in Deutschland braucht es viel schneller erste Hilfsmaßnahmen, als das irgendein Rettungsdienst leisten kann.

Innerhalb der ersten drei Minuten muss etwas getan werden; mit jeder Minute, die ohne Hilfe vergeht, schwindet die Überlebenschance um zehn Prozent. Nur in 37 Prozent der Fälle aber helfen Anwesende. In der Regel bleiben die anderen nicht aus bösem Willen untätig, sondern sind schlicht überfordert.

Das verwundert nicht, wenn es stimmt, dass der letzte Erste-Hilfe-Kurs bei den Menschen in Deutschland im Schnitt 15 Jahre zurückliegt. Genau da liegt aber auch der Hebel. Denn wer erinnert sich schon sein Leben lang an das, was er mit 18 kurz vor dem Führerschein einen Tag lang gelernt hat? 

Mein Vorschlag daher: Jährliche Erste-Hilfe-Kurse in allen Schulen ab der achten Klasse, dasselbe ebenso an Universitäten und Fachhochschulen. Durchgeführt werden diese im besten Fall von Ehrenamtlern (Freiwillige Feuerwehr, First Responder, ect.). Arbeitgeber, die solche Kurse anbieten wollen, werden großzügig gefördert.

Dieses Vorgehen hätte gleich mehrere Vorteile:

  • Die Ersthelferquote dürfte steigen,
  • Die Qualität der geleisteten Ersten Hilfe dürfte steigen,
  • Die Kosten dürften zum Teil durch Einsparungen für Operationen und Pflege abgedeckt werden,
  • Ehrenamtliche Initiativen haben die Chance, für sich zu werben und Nachwuchs zu gewinnen,
  • Empathie und verantwortliches Handeln wird gefördert.

Bis es soweit ist: Erste-Hilfe-Kurse kann man auch heute schon freiwillig belegen. Meistens kosten sie kaum mehr als 40 Euro pro Person. Und die sind doch gut angelegt, wenn man dafür weiß, dass man auch für Eltern, Kinder, Freunde oder Verwandte da sein kann, wenn tatsächlich einmal etwas passiert.

Nächste Woche findet übrigens die jährliche "Woche der Wiederbelebung" statt, und zwar bundesweit. Mehr Informationen hier.

Die Zahlen stammen aus dem lesenswerten Artikel "Hand aufs Herz" des Hamburger Abendblatts.

 

Christoph Giesa, der in Idar-Oberstein sein Abitur absolvierte, ist für verschiedene Zeitungen und Verlage als Kolumnist und Publizist tätig. In seiner Reihe zur Bundestagswahl '#11Dinge, die anders besser wären', wirft er einen Blick auf Themen fernab, der altbekannten Debatten, die seiner Meinung nach wenig Visionäres enthalten. 

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