Keine Lust am Untergang

In diesen Tagen wird der SPD in den Medien gerne eine ausgeprägte Lust am Untergang attestiert. Nun ja, auf Untergang habe ich keine Lust. Jetzt soll es auch nicht um Themen und  Personal auf Bundesebene gehen, sondern um das, was hier bei uns vor Ort passiert.

Wer ist zum Beispiel noch bereit, sich bei uns im Kreis um ein politisches Hauptamt zu bewerben? Und was wird eigentlich von einem Kandidaten erwartet?

Nehmen wir doch die bevorstehende Urwahl des Landrats als Beispiel. Mitte Januar hat der Vorstand des SPD-Kreisverbandes Jörg Petry als Kandidaten vorgeschlagen – und Zack folgte eine Analyse zur Personalsituation bei SPD und CDU in der Nahezeitung, die für meinen Geschmack übertrieben dramatisch ausfiel und an der Realität vorbeiging – so war zum Beispiel von einer „verzweifelt anmutenden Suche“ die Rede. Zunächst einmal ist es richtig und völlig normal, dass die zuständigen Parteigremien mit mehreren möglichen geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten im Vorfeld sprechen – und das natürlich mit einem entsprechenden zeitlichen Vorlauf. Das hat nun wirklich nichts mit Verzweiflung zu tun.  Ein in meinen Augen ganz wichtiger Aspekt wurde in der Analyse zudem ignoriert: Es ist doch völlig klar, dass die Entscheidung für oder gegen eine Kandidatur zwangsläufig eine persönliche ist. Sie wird unweigerlich vor dem Hintergrund der jeweiligen Lebensplanung, des eingeschlagenen Berufswegs und weiteren individuellen Umständen getroffen. Dabei ist es nachvollziehbar und verständlich, dass der ein oder die andere schlussendlich von einer Bewerbung um ein Hauptamt absieht. Zumal Wahlkampf auch kein Spaziergang ist, wenn man ihn ordentlich und nebenher, zusätzlich zu seinem Beruf macht.

Aber wie sehen eigentlich der perfekte Kandidat bzw. die perfekte Kandidatin aus? Es zeichnet sich folgender Idealtypus ab: Nicht alt, aber auch nicht mehr „grün hinter den Ohren“, empathisch, aber auch analytisch. Authentisch,  sympathisch, aber auch professionell. Gute Ideen sollen er oder sie haben, aber keine Träumer sein. Familie und Lebenserfahrung erden auch gerne genommen. Sie sollen keine Berufspolitiker sein, die zum Beispiel nie in der freien Wirtschaft tätig waren. Frisch und unverbraucht soll er oder sie sein, aber bereits Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt haben und die Materie beherrschen. Die Liste lässt sich sicher noch weiterführen, es zeigt sich bereits an dieser Stelle, wie schwierig es ist, das alles zu erfüllen. Es ist schlichtweg nicht vollumfänglich möglich. Wenn nun Jörg Petry in dem Artikel attestiert wird, dass er nur Außenseiterchancen habe und erst seit 2014 in der Kommunalpolitik aktiv sei, so beißt sich das aber mit der ebenfalls formulierten Forderung nach neuen Köpfen in der Politik.

Selbstverständlich sind hohe Erwartungen legitim: Was die Menschen nämlich zu Recht erwarten, ist eine Vision für unsere Region, von der sich ein kluges Programm ableitet, und ehrliche Lust auf das Amt. Darauf kommt es am Ende an.

Eva Milisenda ist 40 Jahre und kommt aus Idar-Oberstein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld und Mitglied des Jugendhilfe- sowie Schulträgerausschusses der Stadt Idar-Oberstein. Die Diplom-Kauffrau arbeitet als Teamleiterin im Rechnungswesen der Landesbank Baden-Württemberg in Mainz, ist verheiratet und Mutter einer 6-jähringen Tochter.

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