Unser Staat kennt keine Staatsreligion

Noch wenige Tage, dann ist wieder Ostern. Christinnen und Christen in aller Welt feiern die Auferstehung Jesu. Doch davor datiert ein „stiller“ Feiertag - der Karfreitag. Im Kreis Birkenfeld wie auch im ganzen Bundesgebiet hat das auch eine politische Dimension: Tanzverbot.

Um es mal gleich vorwegzuschicken: Ich bin tiefgläubiger Christ. Das kann man als antiquiert oder komisch abstempeln. Es gehört aber zu mir dazu - im Privaten. Ich bin nämlich auch Liberaler. Und für mich ist eine strikte Trennung von Staat und Kirche ein wichtiger Grundsatz.

Ich finde, dazu gehört auch, dass wir Tanzverbote aus religiösen Gründen abschaffen. Unser Staat kennt keine Staatsreligion. Es sollte ihm egal sein, ob eine Bürgerin oder ein Bürger im Koran, der Bibel oder im neuesten Werk von Ferdinand von Schirach liest. Logische Konsequenz ist, dass er staatliches Handeln nicht von Religionen abhängig macht. Der Staat hat die Aufgabe, den Religionsgemeinschaften in Deutschland Freiheit zu gewähren und diese gleich zu behandeln. Entweder räumen wir also allen religiösen Gemeinschaften stille Feiertage ein oder machen Religion gänzlich zur Privatsache. Ersteres dürfte wenig praktikabel sein.

Ich denke, dass es keine Obersteinerin oder keinen Obersteiner in ihrer oder seiner Religionsausübung stört, wenn im Palacio Granada getanzt würde. Und wenn ich aus religiösen Gründen lieber an diesem Abend zu Hause bleiben möchte, ist das meine private Entscheidung. Dass der Staat aus religiösen Gründen Verbote schafft, halte ich für einen Fehler.

Im Gegensatz dazu stehen aber auch Gedenktage aus weltlichen Gründen. Auch der Volkstrauertag ist beispielsweise ein Tag der Stille. Und den haben alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig ihrer Religion zu achten. 

Eine Diskussion, ob der Staat künftig nur noch weltliche Gründe für sein Handeln anführt, wäre vielleicht zielführender als sich mit Debatten zu beschäftigen, welche Religion angeblich zu Deutschland gehört und welche nicht. Manchmal fängt diese Diskussion schon im ganz Kleinen an - zum Beispiel beim Tanzverbot.

 

Matthias Keidel ist 24 Jahre alt und kommt aus Kirschweiler. Der Kreisvorsitzende der Freien Demokraten arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Medien, Digitale Infrastruktur, Netzpolitik sowie Gleichstellung und Frauenförderung in der FDP-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz. Der Werder Bremen-Fan will jungen Menschen Lust auf Politik im ländlichen Raum machen und sieht sich selbst dem sozialliberalen Flügel der Freidemokraten verbunden.

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