Antisemitismus - ein weit entferntes Problem?

Am vergangenen Donnerstag, dem 19. April 2018, hatte die Welt einen Grund zur Freude - den 70. Geburtstag des Staates Israel. An einem solchen Tag wird natürlich wie an jedem Tag der an ein historisches Ereignis erinnert über das Für und Wider gewisser Entscheidungen und Geschehnisse diskutiert.

Als überzeugter Demokrat stehe ich natürlich jeder Diskussion offen gegenüber, jedoch erwartete ich anlässlich des Geburtstags Israels eine Diskussionen über die Siedlungspolitik im Westjordanland oder ähnliche Streitthemen im Dauerkonflikt zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Doch es kam erschreckenderweise anders als ich dachte. Antisemitismus der übelsten Sorte war die Reaktion auf einen meiner Beiträge bei Facebook - der Staat Israel selbst wurde nur in den seltensten Fällen kritisiert. Vielmehr waren es Aussagen wie „diese Juden da unten“ oder „die jüdischen Mörder in Palästina“ die mir um die Ohren geworfen wurden. Zu meinem Bedauern musste ich auf diese Weise erneut feststellten, dass auch  in unserer Region antisemitisches Gedankengut kund getan und für gut befunden wird.

Niemand würde eine Kritik an unserer Bundeskanzlerin mit den Worten „diese Christin“ beginnen oder bei einer Debatte über den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU, gegen die anglikanische Kirche wettern, doch unter dem Deckmantel der sachlichen Kritik gegen den demokratischen und säkularisierten Staat Israel, steht Antisemitismus an der Tagesordnung.

Die Echo-Preisverleihung hat das Problemthema Antisemitismus wieder einmal in die Schlagzeilen gebracht, auf der einen Seite bin ich froh darüber, dass bekannte Künstler sich gegen Antisemitismus bekennen und als Vorbilder voran schreiten, auf der anderen Seite bin ich zutiefst besorgt, dass wir im Jahr 2018, 73 Jahre nach dem Ende des Holocausts, momentan eine Akzeptanz gegenüber antisemitischen Parolen erleben.

In einer Zeit wie dieser, in der Extremisten von links und rechts andauernd durch grenzwertige Aussagen und Forderungen auffallen, sind wir alle dazu verpflichtet zu handeln - wir dürfen nicht zulassen, dass der Antisemitismus in Deutschland Fuß fasst und salonfähig wird. Wir alle tragen eine historische Verantwortung, wir sind dazu verpflichtet gezielt gegen Antisemitismus vorzugehen und uns klar gegen diese Hetze zu positionieren, sie zu verurteilen und ihr keine Bühne zu bieten.

Antisemitismus ist ein NO GO.

Liebe Leserinnen und Leser, gerne hätte ich in meiner heutigen Kolumne über ein kommunales Thema geschrieben, jedoch müssen wir Probleme ansprechen und dazu zählt auch, dass auch wir in unserem schönen Nationalparklandkreis wachsam gegenüber Antisemitismus sein müssen.

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