Von Autobahnen, Haselhühnern und dem Bikepark

Wissen Sie, was ich so gar nicht leiden kann? Ausgebremst zu werden. Es gibt viele Situationen, in denen ich für eine Idee brenne und sie eben deshalb mit aller Kraft vorantreiben will. Ich glaube, mit dieser Einstellung bin ich nicht alleine. Ein Beispiel zum Ausbremsen? Bitteschön!

Kennen Sie das Haselhuhn? Es gehört zur Unterfamilie der Raufußhühner und ist damit Familienmitglied der Fasanenartigen. In der Größe ist es mit einem Rebhuhn vergleichbar. Das Haselhuhn trifft die mitteleuropäische Bevölkerung recht selten an, lebt es doch im nördlichen Teil Eurasiens – vor allem in Russland. Angeblich wurde es aber auch in der Eifel gesichtet. Und das hat für Aufregung gesorgt. Denn das Haselhuhn ist daran Schuld, dass der Lückenschluss der A1 in seinem Fortschritt ausgebremst wurde.

Bekanntlich fehlen dort seit Jahrzehnten ein paar Kilometer Autobahn, deren Bau von Autofahrerinnen und Autofahrern mit Nachdruck gefordert wird, um deutlich schneller von A nach B zu kommen und die Behelfsstraßen rund um das Lückenschlussgebiet zu entlasten. Doch die Akteurinnen und Akteure in Umweltschutzverbänden haben etwas gegen den Bau der Autobahn und wollen diesen verhindern. Ihre stärkste Waffe im Kampf gegen den Straßenbau? Genau: Das Haselhuhn. Weil nämlich geringe Mengen von Haselhuhn-DNA gefunden wurde, musste die Vogelschutz-Verträglichkeitsprüfung neu aufgerollt werden. Dank des Haselhuhns rollen die Bagger also vorerst nicht.

Was für die A1 das Haselhuhn ist, ist für die Windkraftanlagen im Hunsrück der Rotmilan. Er wird immer dann vorgeschickt, wenn es zum Bau ebensolcher kommen soll. Und jetzt kommt ein weiteres Projekt ist im Kreis Birkenfeld dazu, gegen das sich bereits Widerstand aus den Reihen des Umweltschutzes formiert: Der Bikepark Idarkopf. Jüngst wurde der Vorsitzende des Bündnis „Energiewende für Mensch und Natur“ mit Blick auf das genannte Projekt mit folgendem Satz zitiert: „Die Verantwortlichen denken immer noch, dass sie das Projekt durch bekommen werden, ihnen stehen aber noch viele Hürden im Weg“. Klingt wie eine Drohung.

Es gibt absolut berechtigte Interessen am Umweltschutz. Und ich habe höchsten Respekt vor all den Menschen, die sich in diesem Bereich ehren- oder hauptamtlich engagieren. Aber es gibt auch berechtigte Interessen am Bau einer Autobahn oder der Errichtung eines Bikeparks. Und wenn diesen Interessen ein einziges Haselhuhn entgegenstehen sollte, das ja nicht einmal gesehen wurde, habe ich große Zweifel, ob in solchen Entscheidungsprozessen das Verhältnis von Mensch und Natur noch stimmt. 

Ich hoffe, dass mit Blick auf den Bikepark nicht noch ein Tier zum Symbol für Verhinderung wird. Die Verantwortlichen am Idarkopf gehen mit großem Fachwissen, ganz sicher ökonomischen Interessen, aber auch mit Fingerspitzengefühl im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes. Umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen und der Sinn für Nachhaltigkeit prägen die Arbeit des Teams um Initiator Nico Reuter. Ich gehe deshalb davon aus, dass das Projekt Bikepark gelingt. Es ist jedenfalls das falsche Signal, Menschen Steine in den Weg zu legen, die hier viel Herzblut in ein weit strahlendes Leuchtturmprojekt stecken, dass uns allen in der Region zugute kommen wird. Vielmehr sollten Sie umfassende Unterstützung erfahren. Und das Haselhuhn wird dabei auch fortan existieren.

Matthias Keidel ist 25 Jahre alt und kommt aus Kirschweiler. Der Kreisvorsitzende der Freien Demokraten arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Medien, Digitale Infrastruktur, Netzpolitik sowie Gleichstellung und Frauenförderung in der FDP-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz. Der Werder Bremen-Fan will jungen Menschen Lust auf Politik im ländlichen Raum machen und sieht sich selbst dem sozialliberalen Flügel der Freidemokraten verbunden.

 

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