"Werde in der Vorbereitung mit den Profis alles raushauen"

Dem Kicker war es am 24. Mai einen eigenen Bericht wert: Lennart Grill rückt mit zwei anderen Spielern aus der A-Jugend des 1. FC Kaiserslautern fest zu den Profis auf und wird mit einem entsprechenden Vertrag ausgestattet. Der 18-jährige Torwart aus Idar-Oberstein macht damit den nächsten Schritt hin zum Fußballprofi, einem Traum für die meisten Jungs in seinem Alter.

Die Beförderung nimmt der 1,91m große Junioren-Nationalkeeper aber relativ gelassen. „Profi ist man meiner Meinung nach erst, wenn man sich auch fest in der ersten Mannschaft etabliert hat“, stellt er im exklusiven Interview mit Stadt-Land-News klar. „Trotzdem ist es natürlich großartig, bei der 1. Mannschaft mitzutrainieren und mit Leuten wie Gerry Ehrmann zu arbeiten.“ FCK-Legende Ehrmann, der schon Torwartgrößen wie Roman Weidenfeller, Tim Wiese und Kevin Trapp hervorgebracht hat, war auch ein wichtiger Faktor bei Grills Entscheidung, aus der Jugend des FSV Mainz 05 zu den Pfälzern zu wechseln. „Der 1.FCK hat einfach eine große Tradition in der Torwarthistorie. Als letztes Jahr klar war, dass ich vom FSV weggehen würde, musste ich sehen, wo ich am meisten Spielpraxis bekomme, wo auch die Perspektive auf einen Platz in der ersten Mannschaft gegeben ist“, begründete Grill seine Entscheidung für den FCK und gegen Top-Vereine wie Borussia Dortmund, die laut der Bild-Zeitung ein starkes Interesse an dem Idar-Obersteiner bekundet hatten.

Es war auch eine Entscheidung gegen den FSV Mainz, bei dem Grill zum Junioren-Nationalspieler gereift war. „Die Situation in Mainz mit drei U19-Nationaltorhütern war perspektivisch gesehen nicht mehr die richtige.“ Gerade als Torwart müsse man so viel Spielpraxis wie möglich sammeln, um den harten Sprung in den Profibereich zu schaffen. „Der Unterschied ist schon enorm“, konstatiert Grill. „Wir haben alle im Jugendbereich eine Top-Ausbildung bekommen und spielen in der U19 eigentlich schon im Erwachsenenalter. Bei den Profis ist das Tempo aber noch einmal um einiges höher, die Zweikämpfe deutlich härter.“ Auch aus diesem Grund sei der FCK die perfekte Wahl für ihn gewesen. „Gerry Ehrmann macht in dieser Sache einen Top-Job. Wenn man eine Grundausbildung im fußballerischen und technischen Bereich hat, ist er ein Top-Motivator, der dich extrem pusht und triezt und dich dadurch auf einen nahtlosen Übergang in den Profi-Bereich vorbereitet“, huldigt Grill seinen Torwarttrainer.

Einen nahtlosen Übergang, den Grill auch schaffen könnte, weil er im Gegensatz zu anderen Hochgelobten, reflektierter scheint. „Nur mit einem Vertrag hat man noch nichts erreicht“, stellt er klar. Außerdem habe er ein Umfeld aus Familien und Freunden, das selbst auf dem Boden bleibe und ihm dabei helfe, nicht abzuheben. Dass seine alten Freunde aus Idar-Oberstein feiern gehen können, während er sich auf Spiele vorbereitet oder im Kasten des FCK oder der Nationalmannschaft steht, bereut er nicht.  „Wenn man diesen Schritt wagt, muss man wissen, dass die Jugend für den Fußball teilweise auf der Strecke bleibt. Da muss man eine professionelle Einstellung zeigen. Wenn man diese Einstellung hat, hat man auch nicht das Gefühl etwas zu verpassen oder etwas aufgeben zu müssen. Außerdem macht man Erfahrungen, die sonst keiner machen würde und die zumindest für mich einen anderen Stellenwert haben.“

Trotz dieser bisherigen Erfahrungen mit Mainz, Kaiserslautern und dem DFB-Team nutzt Grill immer noch jede Gelegenheit um seiner Heimat einen Besuch abzustatten. „Das ist für mich selbstverständlich“, empfindet er. „Ich bin hier aufgewachsen und habe hier gelebt, bis ich 16 war. Meine Familie und meine Freunde wohnen hier.“ Auch einige Vereine aus dem Kreis Birkenfeld verfolgt er weiterhin. Vor allem den Bollenbacher SV, seinen Heimatverein bei dem er noch viele Spieler persönlich kennt, und den SC Idar-Oberstein, der gerade den Aufstieg in die Oberliga perfekt gemacht hat. „Dem SC gönne ich es sehr“, freut sich Grill mit den Schmuckstädtern. „Es hat sich bezahlt gemacht, dass sie wieder auf Spieler aus der Region gesetzt haben. Daran, dass 2000 Zuschauer beim Aufstieg im Haag waren, sieht man, dass wieder etwas zusammenwächst.“

Je nachdem in welcher der FCK-Mannschaften Grill nächste Saison aufläuft, ist sogar ein direktes Duell mit dem SC möglich, da die U23-Mannschaft der Roten Teufel auch in der Oberliga spielt. Darüber macht sich Lennart Grill aber keine Gedanken. „Ich werde in der Vorbereitung mit den Profis alles raushauen und dann mal sehen, wo ich meine Einsätze bekomme“, kündigte er an. „Egal, in welcher Mannschaft ich eingesetzt werde, ich will das Bestmögliche erreichen. Ob das wieder so eine starke Saison mit der U19 ist, den direkten Wiederaufstieg mit der U23 anzupeilen oder der Verbleib im Profikader, wird sich zeigen.“ Es spricht für Grill, dass er nichts ausschließt, aber ob wir Lennart Grill in nächster Zeit als Spieler im Haag auflaufen sehen, bleibt mehr als fraglich. Denn Grill wirkt, Vertrag hin oder her, wie ein Profi - auf und neben dem Platz.

Tim-Julian Schneider

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