VfR Baumholder: Übergangssaison oder Angriff auf die Spitze?

„Kein Wort“ sei mit Beginn der Vorbereitung mehr über die vergangene Saison gefallen, betonte Trainer Sascha Schnell, der nach einer starken Saison im Endspurt die Meisterschaft und die Aufstiegsspiele nach guter Ausgangslage noch verpasst hatte. Der Blick ging mit Tag eins nach Saisonende für den VfR klar nach vorne und das fing mit der Kaderplanung an.

Es galt die beiden Stammspieler Jan Bremer (SG Neunkirchen-Selbach) und Felix Ruppenthal (SC Idar-Oberstein) zu ersetzen. Gilt der Weggang des Torschützenkönigs Ruppenthal als der größte Verlust, ist aber auch der Abgang Bremers nicht zu unterschätzen, der als „Staubsauger“ auf der VfR-Sechs viele entscheidende Spielsituationen zu antizipieren in der Lage war und die wichtigen Zweikämpfe für sich zu entscheiden wusste. Ihn soll Fabian Lauder ersetzen, der mit dem SV Nanzdietschweiler schon über Landesliga-Erfahrung verfügt. Der Qualitätsverlust von Ruppenthal soll dagegen durch mehrere Spieler kompensiert werden.

„Klar ist Felix nicht Eins-zu-Eins zu ersetzen“, erklärte Schnell. „Das was er geleistet hat, müssen wir auf verschiedene Schultern verteilen.“ Dennoch hatte er nur positive Worte für seinen Schützling übrig, den er schon in der Jugend der SG Blaubach trainiert hatte. „Ich gönne ihm diesen Schritt sehr“, bekräftigte Schnell. Durch den Weggang wird sich auch die Spielanlage des VfR stark verändern. „Wir werden nicht mehr nur Konterfußball spielen“, kündigte Schnell an. „Meine Philosophie ist eigentlich durch Ballbesitz Dominanz auszustrahlen. Den Wechsel kriegt man natürlich nicht innerhalb einer Saison hin, aber wir wollen schon mit zwei oder drei verschiedenen Systemen auf den Gegner reagieren können.“

Schlüsselspieler für die neue Art Fußball zu spielen, sind auch die Neuzugänge Niklas Alles und Idris Lataev. Thomas Flohr, im Spielausschuss für die Transfers zuständig, beschreibt Lataev als „intelligenten Stoßstürmer, mit einer guten Ballbehandlung.“ Auch wenn er bei seiner letzten Station in der Oberliga nicht die gewünschte Einsatzzeit bekommen hat, kann man Niklas Alles gut und gerne als den Königstransfer bezeichnen. „Technisch herausragend und körperlich durchsetzungsfähig“ (Flohr) sollen seine gefährlichen Standards zudem eine neue Waffe werden. „Wir haben sehr gut geschulte Leute geholt“, lobte Schnell die Transferpolitik. Gut geschult dürfte auch Eduard Amariei sein, der in der Jugend für den spanischen Zweitligisten Real Saragossa die Schuhe schnürte und der vor allem perspektivisch aufgebaut werden soll.

Insgesamt sei die Vorbereitung laut Schnell mit „gut“ zu bewerten, auch wenn er in den Spielen vielleicht damit gerechnet habe, dass die Mannschaft schon einen Tick weiter sei. „Das war zum Teil auch ständig wechselnden Aufstellungen geschuldet, die uns aber viele wichtige Erkenntnisse gebracht haben.“ Viele Spieler hätten auf für sie sonst ungewohnten Positionen gespielt, aber bewiesen, dass sie dort durchaus eine Option seien. Vor allem für die Einstellung seiner Schützlinge sprach Schnell ein Extralob aus. „Selbst von denjenigen, die vermutlich eher im zweiten Glied hintenanstehen müssen, war jeder mit Herzblut dabei. Jeder sucht auf seinem Niveau seine Chance.“

Wichtig für die neue Trainingsqualität sei dabei auch der Aufstieg der zweiten Mannschaft von der B-Klasse in die A-Klasse gewesen. „Das Niveau ist höher und der Leistungsabfall nicht so groß“, resümierte Schnell, der die Landesliga dieses Jahr noch ausgeglichener sieht. „Das vordere Drittel sollte es schon sein“, gab er abschließend noch die grobe Zielsetzung von Vereinsseite bekannt. „Wir werden uns aber zum Abschluss der Vorbereitung noch einmal intern mit den Spielern zusammensetzen“, ließ er durchblicken. Ein Korrigieren der Ziele dürfte wohl nur nach oben gerichtet sein.


SLN-Prognose

Der VfR Baumholder hat mit Jan Bremer und Felix Ruppenthal zwei Gesichter der guten Entwicklung der letzten Jahre verloren, gleichzeitig mit Alles, Lataev und Lauder aber auch viel Qualität und perspektivisch interessante Spieler verpflichtet. Vieles spricht für eine Übergangssaison in der sich auch die Spielweise des VfR merklich verändern wird. Das eindimensionale Verlegen auf schnelle Gegenstöße über Ruppenthal wird in dieser Form nicht mehr möglich sein. Schnell hat nun wiederum mit technisch starken Spielern besser die Möglichkeit „seine“ Fußballphilosophie umzusetzen. Nimmt die Mannschaft diese schnell an und schafft es der Coach, wie in der letzten Saison jeden Spieler individuell besser zu machen, ist sehr viel Potenzial im Kader.

Dieser ist vor allem in der Tiefe stark verbessert worden und bietet Schnell die Möglichkeit mehrere Systeme auszutesten und Ausfälle gleichwertiger zu kompensieren, als dass es in der Vorsaison noch der Fall war. In einer ausgeglichenen Landesliga scheint der VfR in dieser Saison kein Kandidat für die Plätze ganz vorne in der Tabelle zu sein. Das war er aber auch letzte Saison nicht. Wachsen die „Westricher“ diese Saison wieder ein Stück weit über sich hinaus, kann es am Ende wieder um sehr viel gehen.

 

Tim-Julian Schneider

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