Der Bikepark am Idarkopf: Europas Mekka für Mountainbiker?

Dicke, schwere Wolken trüben das Tageslicht an einem eisigen Montagmorgen am Fuße des zweithöchsten Berges in Rheinland-Pfalz – dem Idarkopf. Schneereste zeichnen sich wie weiße Tupfer in das grüne Waldgemälde ein. Trostlos, aber doch idyllisch:

Es ist ein Bild, das die Situation des Hunsrücks, einem Mittelgebirge im Südwesten Deutschlands, eingeklemmt zwischen den Flüssen Mosel, Rhein und Nahe, wohl kaum besser beschreiben könnte. Die Region gilt als strukturschwach und arm, die jungen Menschen wandern lieber in die Metropolen ab. Es klingt fast wie ein Witz, dass ausgerechnet an diesem Ort der vielleicht beste Bikepark Europas entstehen soll.

Nico Reuter ist das herzlich egal. Mit grüner Strickmütze, schwarzer Winterjacke, ausgebeulten Jeans und dicken Wanderschuhen stiefelt er dem Gipfel des Idarkopfs entgegen. Zwei Männer begleiten ihn. Der eine heißt Dennis Sommer, ist hochgeschossen und schützt sich in einem feinen Wintermantel vor der Kälte. Der andere, Felix Hens, belässt es bei einer blauen Softshell-Jacke. Wenn die drei Männer sich unterhalten, fallen Worte wie „Jumpline“, „Vink Line“ „Sharkfin“ oder „Dirt Merchant“. Als Laie ist der Versuch, der Unterhaltung zu folgen, hoffnungslos. „Hier sollen die Trails entstehen“, erklärt Reuter seinem Begleiter Felix Hens, der Chefredakteur eines Mountainbike Magazins ist und zeigt auf eine Fläche, auf der sich zahlreiche Bäume aneinanderreihen. Manche von ihnen sind grün markiert, „die sollen nachher weg, wobei wir bei der Planung großen Wert darauf gelegt haben, dass die Entnahme von Bäumen im verträglichen Rahmen bleibt“, erzählt Reuter, ehe er mit seinen Begleitern wieder die Sprache wechselt.

Die Vision: Der größte Bikepark Deutschlands 

Am Idarkopf soll der größte Bikepark Deutschlands entstehen: 23 Kilometer Strecke auf einer Fläche von mehr als 126 Fußballfeldern. Diese Idee treibt Reuter bereits seit fünf Jahren voran. Hinter den Kulissen läuft das Projekt schon lange auf Hochtouren, obwohl sich bisher noch kein Bagger in den Boden des Idarwaldes gegraben hat. Nachdem der Lift im Jahr 2010 den Geist aufgab, suchte die Verbandsgemeinde Rhaunen im Hunsrück nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit für das einstige Skigebiet. „Da bin ich hellhörig geworden, weil es schon immer mein Traum war, einen eigenen Bikepark zu bauen“, sagt Reuter. Gerade von der Uni kommend, mit seinem Ein-Mann-Unternehmen Ecoparc Concepts im Rücken, stellte er der Gemeinde sein Projekt vor und veranschlagte es anfänglich im Hinblick auf eine große Liftanlage auf zehn Millionen Euro. Mittlerweile ist der Etat, der sich aus öffentlichen Geldern und Investoren zusammensetzen wird, auf ca. 4 Millionen Euro zusammengeschrumpft. 600.000€ wurden dabei durch das Start-Up Unternehmen und Projektpartner bereits investiert. Reuters Vision lebt dennoch weiter und soll im kommenden Jahr Realität werden.

 

Red Bull im Boot 

Seit 18 Monaten ist auch Dennis Sommer dabei. Sommer ist für das Gastronomie- und Eventmarketing bei Red Bull zuständig. Jetzt ist er vom Milliardenkonzern abgestellt worden, um Reuter zu unterstützen. „Wir sind als Unternehmen daran interessiert, den Mountainbikesport in Deutschland weiter auszubauen. Deshalb investieren wir auch in dieses Projekt, natürlich auch um später Events austragen zu können“ betont er. 
Als die drei Männer den Gipfel des Idarkopfs erreichen, scheint es, als würden sie eine andere Klimazone betreten. Hier tragen die Tannen noch ihr Schneekleid. Aber es geht noch höher, nämlich auf einen Aufsichtsturm, der ein einzigartiges Panorama über den Hunsrück bietet und auch das kleine Örtchen Wahlenau auf der Nordseite des Idarkopfs erscheinen lässt. Dort hat Joscha Forstreuter ein kleines Bauernhaus bezogen. Der ehemalige Profimountainbiker wird von Heidelberg in den Hunsrück ziehen, um sich federführend dem Bau der Strecken zu widmen. „Ich hatte auch das Angebot, die Bauleitung des Bikeparks in Innsbruck zu übernehmen“, erzählt er. Doch Forstreuter schlägt das Angebot in der Alpenmetropole aus, auch wenn es finanziell lukrativer ist. „Ich sehe auf dem Gelände am Idarkopf einfach ein überragendes Potential“, sagt Forstreuter, der in seiner Karriere als Profimountainbiker etliche Bikeparks unter die Lupe nehmen konnte und auch Projekte u.a. in Sölden und Winterberg erfolgreich umgesetzt hat. Als Referenz für die Streckenprofile dient ihm der Bikepark im kanadischen Whistler - der älteste und größte Bikepark der Welt.


Bürokratiehürden und Umweltschützer 

Für Reuter und sein Team spielt bei der Planung auch die Nachhaltigkeit des Parks eine zentrale Rolle. Das Gelände ist Teil des Naturparks Saar-Hunsrück und gehört zu einer streng geschützten Kernzone, in der nur bei einem gewichtigen öffentlichen Interesse gebaut werden darf. Die Bürokratiehürden ziehen das Projekt in die Länge. Noch befindet sich Reuter mit seinem Unternehmen ecoparc concepts in der Projektentwicklung und arbeitet auf den ersten Spatenstich hin. Im April 2016 stellte die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord als Obere Naturschutzbehörde einen Bau in Aussicht. Derzeit werden die Gutachten der letzten Jahre in einem Umweltbericht mit dem Ziel zusammengefasst die Genehmigungsfähigkeit des Projektes unter Beweis zu stellen. Auch an umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen wird intensiv gearbeitet. Die Verträge und Gutachten, welche Reuter und sein Team bisher für das Projekt erarbeitet haben, dürften gestapelt bald die Höhe des Idarkopfs erreichen, wie er mit einem Augenzwinkern verrät.

 

Doch es gibt auch Kritik: Willi Weitz, Vorsitzender der Pollichia Ortsgruppe Birkenfeld, einem Umweltverband, mokiert sich über die angebliche Nachhaltigkeit des Projekts. „Da stehen ganz klar ökonomische Interessen im Vordergrund, alles andere halte ich für mehr oder weniger Greenwashing“, erklärt er. Auch Uwe Anhäuser vom Bündnis Energiewende für Mensch und Natur kämpft entschieden gegen das Projekt, das seiner Auffassung nach durch die mangelnde Nachsicht vieler Mountainbiker auch den Wandertourismus im Hunsrück zerstören könnte. „Die Verantwortlichen denken immer noch, dass sie das Projekt durch bekommen werden, ihnen stehen aber noch viele Hürden im Weg“, prognostiziert er.

Ungarische Investoren im Hunsrück

Insgesamt sind die Widerstände, vor allem auch in der Bevölkerung, gering. Der Landrat des Kreises Birkenfeld, Dr. Matthias Schneider, beteiligt sich ebenfalls an dem Projekt. Auch die am Fuße des Idarkopfs ansässige Ortsgemeinde Stipshausen und ihr Bürgermeister Frank Marx haben schon viel Zeit in das Projekt gesteckt und sind optimistisch, dass die Gutachten im Sinne des Bikeparks ausfallen werden. Im Dorf haben sich schon erste Investoren aus Ungarn angesiedelt, die ein altes Hotel sanieren und wieder salonfähig machen wollen. „Es ist schon, toll wie die Hunsrücker das Projekt mit angehen“, lobt auch Bauleiter Forstreuter, der sich sicher ist: „Ich habe schon viele Parks gesehen, aber dieser Bikepark im Hunsrück wird einschlagen wie eine Bombe.“

 

Max Storr 

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